Betriebliches Gesundheitsmanagement in Zahnarztpraxen

 So wie die Gesundheit der Patienten und Patientinnen steht nun auch die Gesundheit der Mitarbeiter/Innen im Fokus der täglichen Arbeit in der Kölner Zahnarztpraxis Aichinger².

Quelle: Pixabay

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Denn die Praxis gehört nun zu der Gruppe von Zahnarztpraxen in Deutschland, die ein modernes, systematisches aber flexibles betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) eingeführt haben. Unterstützt wurde Aichinger² in der individuellen Entwicklung eines eigenen BGM durch die Kölner Experten von VisionGesund.

Herausforderung straffer Tagesablauf

Die Herausforderung für Aichinger² lag, wie bei allen Arztpraxen, vor allem im straff durchgeplanten Tagesablauf – insbesondere durch den direkten Kunden-/ Patientenkontakt und die festen Behandlungstermine. Die zweite große Herausforderung bestand erwartungsgemäß in der Arbeitsorganisation und der Arbeitsumgebung der Zahnärzte/Innen und Zahnmedizinische Fachangestellte, die jeweils – auf den ersten Blick – durch die Tätigkeit an sich, stark eingeschränkt erschienen.

Dirk Aichinger, Zahnarzt und Inhaber, fasst es treffend zusammen: „Im Job-Alltag kümmere ich mich als Zahnarzt um das Wohl meiner PatientenInnen und nehme die ganzen Einflüsse in und um den eigenen Arbeitsplatz manchmal auch nur unterbewusst mit auf. Gerade in unserem kleinen Team, mit einer guten, persönlichen Atmosphäre, geht man davon aus, dass man es schon mitbekommen würde, wenn irgendetwas nicht passt.“

Gesundheitskonzept gegen Fachkräftemangel

Trotz dieser Wahrnehmung hat sich Herr Aichinger zusammen mit der Mitinhaberin Jutta Aichinger dazu entschieden, das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz nun systematisch anzugehen. „Als mir Herr Loewe das VisionGesund-Konzept für Zahnarztpraxen vorstellte, war für mich schnell klar, dass wir von der Einführung und Umsetzung eines BGM nur profitieren können“, bestätigt Dirk Aichinger und ergänzt, „die Gesundheit meiner MitarbeiterInnen zu fördern, bedeutet für mich auch, in Köln als guter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden und aktiv dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken“.

Von Anfang an stand fest, dass dieses Gesundheitskonzept ohne viel Theorie und mit einer guten Portion kleinbetriebstypischen Aktionismus zum Erfolg gebracht werden soll – Nix bliev wie et wor (Kölner Redewendung: Sei offen für Neuerungen).

Praxistaugliche Umsetzung in kleinen Phasen

Um die individuellen Begebenheiten und die Menschen bei Aichinger² kennen zu lernen, führten Lukas Loewe von VisionGesund und Dirk Aichinger ein Experteninterview. Herr Loewe beobachtete zusätzlich die Mitarbeiter/Innen bei Ihrer täglichen Arbeit im Rahmen einer Arbeitsplatz-/ und Arbeitssituationsanalyse im laufenden Betrieb – wichtig war hier natürlich, dass alle Mitarbeiter und die anwesenden Patienten diesem Vorgehen zustimmten. Zuvor waren alle MitarbeiterInnen im Rahmen eines Kick-Offs über das Projekt Gesunde Zahnarztpraxis informiert worden: ständige Transparenz als wichtiger Erfolgsfaktor!

Zusammen mit der Praxismanagerin und den drei Zahnärzten/Innen wurde im neu geschaffenen Steuerkreis Gesundheit ein Gesundheitsleitbild entwickelt. Das Leitbild dient nun als verbindendes Element aller Gesundheitsthemen innerhalb der Praxis und bietet auch einen Rahmen für die gesundheitsbezogenen Rechte und Pflichten jedes Einzelnen.

Außerdem wurden die Inhalte für eine anonyme, online-gestützte Mitarbeiterbefragung diskutiert Inhalte waren neben den wichtige Fragen zur Gefährdung durch psychische Faktoren, wie z.B. quantitative oder qualitative Überforderung, auch Fragen zur körperlichen Gesundheit, wie z.B. zum Bewegungs- sowie Ess- und Trinkverhalten.

Die online-gestützte Mitarbeiterbefragung ermöglichte es allen Mitarbeitern/Innen, zu einem selbst gewählten Zeitpunkt im eigenen Tempo alle Fragen zu beantworten. „Schon während der Analysephase sind wir alle – das ganze Aichinger²-Team – viel sensibler für Gesundheitsthemen geworden“, stellt Dirk Aichinger rückblickend fest.

Ziele formulieren, Maßnahmen planen und Erfolg messen

Beim nächsten gemeinsamen Steuerkreistreffen in der Praxis, wurden die Ergebnisse aus Befragung und Begehung durch Lukas Loewe vorgestellt. In einem moderierten, kreativen Verfahren wurden auf Basis der gewonnenen Ergebnisse die wichtigsten Gesundheitsziele bestimmt. Für jedes Ziel wurden entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen, ihre Wirkung kurz diskutiert und einfache Kennzahlen zur Zielerreichung definiert.

Dieser Maßnahmenplan wird seit Januar 2015 aktiv umgesetzt. Er umfasst, z.B., schnell umsetzbare, kurzfristige Maßnahmen gegen die Lärmbelastung (Schließmechanismus für alle Türen, Neuorganisation der Postfächer) bis hin zu langfristigen Maßnahmen zum Thema Feedback / Rückmeldung (halbjährige Mitarbeiter-Feedbackgespräche). Auch das Thema Ergonomie am Arbeitsplatz zeigte Verbesserungspotential, so dass als kurzfristige Maßnahme Monitore einen neuen Standort bekommen und mittelfristig alle MitarbeiterInnen mit Patientenkontakt an einem Workshop zur Arbeitsplatzergonomie teilnehmen sollen.

Zur Förderung des Bewegungsverhaltens wird, z.B., eine Schrittzähler-Challenge ins Leben gerufen. Neben den positiven körperlichen Effekten wird somit auch die Team-Interaktion verstärkt – eine Maßnahme, die sich ideal in den straffen Tagesablauf integriere lässt.

Es ist vereinbart, dass nach einem Jahr alle Maßnahmen auf ihre Zielerreichung überprüft werden. „Bis dahin werden wir uns im Steuerkreis Gesundheit regelmäßig treffen und alle anfallenden Gesundheitsthemen besprechen“, schließt Dirk Aichinger ab.

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Benjamin Fathi

Gründer, Redakteur und Autor
Gründer, Redakteur und Autor bei Gesundheit & Management. Gesundheitsmanager und Sportwissenschaftler.

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