Lasse Rheingans

BGM ist mehr als ROI

Gesundheit&Management im Gespräch mit Lasse Rheingans, Geschäftsführer von Rheingans Digital Enabler.

G&M: Bitte stellen Sie kurz Ihr Unternehmen vor?

Rheingans Digital Enabler ist eine Unternehmensberatung und             Digitalagentur, das 2017 gegründet bzw. übernommen und umbenannt wurde, und in Bielefeld ansässig ist. Der Unternehmer Lasse Rheingans beschäftigt 12 Mitarbeiter. Das Unternehmen berät         Kunden im Umfeld der digitalen Transformation, konzipiert und entwickelt digitale Produkte und schult Mitarbeiter und Management in individuellen Intensiv-Workshops.

G&M: Sie haben den klassischen 8-Stundentag auf 5 Stunden reduziert. Wie kam es zu dieser Idee?

Man kann sagen, das war ein Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wurde. Ich habe eine Zeit lang in Australien gelebt und dort gesehen, dass der Arbeitstag der Menschen später beginnt als bei uns. Trotzdem leisten die Menschen dort auch ihren Beitrag und die Arbeitswelt funktioniert. Nachdem ich wieder in Deutschland gelebt und 2 Kinder habe, für die ich mir an zwei Nachmittagen der Woche frei genommen habe, merkte ich, dass meine Arbeits- leistung nicht sank. Zudem fiel mir auf, dass auch Teilzeitkräfte viel leisten. Der Anschein, wer viel vor Ort ist, schafft mehr, ist nicht zwingend gegeben. Nachdem ich Mitte Oktober 2017 die Firma übernommen habe, wurde im November der klassische 8-Stunden auf 5-Stunden-Tag reduziert. Sowohl Gehalt- als auch Urlaubsanspruch bleiben bei den Mitarbeitern erhalten.

G&M: Warum wurde aus dem 8-Stunden-Tag               ausgerechnet ein 5-Stunden-Tag?

Spätestens nach 5 Stunden Arbeit wird eine längere Pause                       – inklusive Mittagessen – benötigt. Danach gibt es erstmal ein                Leistungstief. Wir haben beschlossen, dass wir uns die Stunde dann auch direkt sparen können und unsere Mitarbeiter ab 13 Uhr in den Feierabend entlassen können.

G&M: Profitieren alle Mitarbeiter von der Reglung?

Ja, diese Regelung gilt für alle Mitarbeiter.

G&M: Wie sieht es diesbezüglich bei Ihnen aus?

Ich kann als Geschäftsführer aufgrund der vielen Themen, die durch die Betriebsübernahme noch zu klären sind, noch nicht den                      5-Stunden-Tag einhalten. Trotzdem nehme ich mir freie Nach-               mittage und arbeitet eventuell dann abends nochmal von zuhause aus.

G&M: Hat die Stundenänderung eine Auswirkung auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter? Wenn ja, welche?

Grundsätzlich denke ich: Klar, in jedem Fall! Allein durch die wesentlich erhöhte Freizeit, in der jeder für sich Hobbies, Leidenschaft und persönlichen Belangen kümmern kann. Bei Kreativberufen          haben viele Menschen ihr Hobby zum Beruf gemacht und freuen sich durchaus, in der Zeit sich auch in vielen Themen fortbilden zu können, die danach wiederum für die Firma natürlich auch von      Nutzen sind. Ansonsten erhöht die Stundenänderung sicher auch die Toleranz bei den Mitarbeitern gegenüber unvorhergesehener Mehrarbeit. Bei Mehrarbeit endet der Arbeitstag dann nicht um 13 Uhr, sondern eben etwas später. Meist aber immer noch weit vor dem „früheren“ Feierabend. Die Mitarbeiter haben somit immer noch einen freien Nachmittag, den sie für sich und ihre Hobbys       nutzen können. Während der Arbeitszeit fällt dafür der Smalltalk weg, weil jeder seine Arbeit schaffen möchte. Dafür sitzen die Mitarbeiter anschließend oft zusammen und tauschen sich beim                 gemeinsamen Kochen in unserer Büroküche aus.

G&M: Spiegelt sich die neue Stundenzahl in der Stimmung im Unternehmen wider?

Die Umstellung ist ja noch relativ neu. Es ist daher schwer, dies              fundiert einzuschätzen oder zu messen. Aber wenn ich so den Flurfunk verfolge oder mit einigen der Kollege darüber spreche, dann stelle ich fest: Ja, in jedem Fall.

G&M: Inwieweit profitiert das Unternehmen durch die neue Regelung?

Es wird konzentrierter gearbeitet. Wie bereits angesprochen, muss ja trotzdem die gleiche Leistung gebracht werden, was die Mitarbeiter auch selbst als eigenen Anspruch haben. Da für viele IT nicht nur ein Beruf, sondern auch ein Hobby ist, bilden sich viele Mitarbeiter in ihrer Freizeit fort, weil sie nun Zeit (und Kraft) dazu haben. Davon profitiert auch das Unternehmen.

Selbstverständlich ist der 5-Stunden-Tag auch eine gute                            Möglichkeit, Arbeitskräfte an das Unternehmen zu binden. Trotzdem möchte ich hervorheben, dass ich nicht viel von der reinen         Fokussierung auf einen ROI halte, weil es um Menschen geht, mit denen ich arbeite. Nicht um Zahlen.

G&M: Führen Sie noch weitere Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements durch?

Das Thema BGM ist seit Jahren eines der Themen, die ich klar auf der Agenda habe und verfolge, auch in meiner vorhergehenden Agentur habe ich viele Teile eines BGM eingeführt. Bei uns kommen da auch einige Bereiche auf uns zu: Ich plane zum einen, einen Multifunktionsraum einzurichten, der sich – neben Workshops und    Schulungen, die wir anbieten – auch für Yoga, interne Seminare und Fortbildungen auch im Bereich Gesundheit und Co. eignet. Zum            anderen denke ich über eine Bezuschussung der Mitgliedschaft bei sportnavi.de nach, bei denen Kollegen vielfältige Leistungen zu             guten Konditionen erhalten können. Auf jeden Fall möchte ich BGM als Teil des Arbeitsplatzes anbieten, da es für mich keine harte               Abgrenzung von Beruf und Privat gibt. Ich möchte für meine Mit-        arbeiter und mich einen guten und gesunden Arbeitsplatz schaffen.

G&M: Vielen Dank für das Interview!

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Vera Fathi

Autorin bei Gesundheit & Management. Expertin für Gesundheitsförderung und Betriebliches Gesundheitsmanagement.

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