Burn-out bei Lehramtstudenten

Schon der Nachwuchs brennt eher aus.

Lärm im Klassenzimmer, Ärger mit Schülern oder Eltern, Notendruck: Es gibt viele Gründe, warum manche Lehrer schon vor ihrer Pensionierung körperlich und seelisch nicht mehr können. Und noch immer gehen Lehrer etwas eher in den Ruhestand als der Durchschnittsarbeitnehmer – wenn auch nicht mehr so zeitig wie noch vor 15 Jahren.

Liegt diese Erschöpfung wirklich nur an den Bedingungen des Lehrerberufs?

„Wir wollten herausfinden, ob es bereits zu Beginn des Studiums Indizien dafür gibt, wer später hochbelastet ist und daher ein erhöhtes Burn-out-Risiko hat“, sagt Julia Karbach von der Universität des Saarlandes. Zusammen mit vier Kolleginnen und Kollegen hat die Psychologin und Bildungsforscherin die Persönlichkeitsstruktur angehender Lehrerinnen und Lehrer analysiert.

Das Ergebnis: Lehramtsstudenten haben schon zu Beginn ihres Studiums ein höheres Burn-out-Risiko als andere Berufsgruppen. Die Forscher haben 559 Probanden und eine Kontrollgruppe aus 150 Psychologiestudenten untersucht. Alle Studienteilnehmer mussten einen Fragebogen ausfüllen, in dem nach ihrem Arbeitsverhalten und nach dem Erleben ihres Berufs beziehungsweise Studiums gefragt wurde: ihre Leistungsbereitschaft, ihre Stressbewältigungsstrategien sowie ihr subjektives Wohlbefinden bei der Arbeit.

Angehende Lehrer sind häufig nicht stressresistent genug

Hinterher haben die Wissenschaftler die Studenten in vier Gruppen einsortiert:

  • motivierte, gesunde, stressresistente und engagierte Studenten,
  • eher „zurückgelehnte“ Leute, die andere arbeiten lassen, aber dennoch gesund sind,
  • sehr motivierte Studenten, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen und deren psychische Gesundheit durch die Selbstüberforderung gefährdet ist,
  • Studenten, die so viel Stress empfinden, dass sie sich bereits überlastet fühlen.

Die Forscher fanden heraus, dass Lehramtsstudenten durchschnittlich ungünstigere Stressbewältigungsstrategien aufweisen als die Kontrollgruppe. Die Betroffenen gehen demnach wenig offensiv mit Problemen um, sind eher unausgeglichen, haben wenig Erfolgserlebnisse im Beruf und eine eher geringe Lebenszufriedenheit. Dieser Befund deckt sich mit einer früheren Studie, bei der Lehrer unter anderem mit Ärzten, Managern und Pflegepersonal verglichen wurden und wonach Lehrer ebenfalls anfälliger sind für die Entwicklung eines Burn-out-Syndroms.

 Ausschlaggebend seien dabei die Motive hinter der Studienwahl: „Wir haben festgestellt, dass Überzeugungstäter, die Lehrer um des Lehrens willen werden möchten, eher entspannt sind und kein übermäßiges Burn-out-Risiko tragen. Hingegen tragen diejenigen, die das Studium gewählt haben, weil sie davon ausgehen, dass es leichter ist als andere Studiengänge, ein höheres Burn-out-Risiko“, erklärt Karbach.

Die Studienergebnisse könnten den Autoren zufolge dabei helfen, gezieltere Studienberatungsangebote zu erstellen, um bereits vor Beginn der Ausbildung geeignete Lehramtskandidaten zu finden. Und Kandidaten, die ein erhöhtes Risiko tragen, später im Lehrerberuf „auszubrennen“, könnten so schon frühzeitig gewarnt werden, dass der Beruf für sie womöglich ungeeignet ist.

Damit wäre, so die Forscher, vielen gedient: zum einen den Lehrern selbst, die in einem anderen Beruf zufriedener werden könnten. Aber auch der Gesellschaft, weil sie die Kosten von Krankheitsfällen und Vorruheständlern sparen könnte, denn gestresste Lehrer sind häufiger krank – und halten in der Regel auch keinen guten Unterricht. Somit haben auch Schüler einen großen Nutzen von entspannten und motivierten Lehrern: Sie bringen ihnen mehr bei und schicken besser ausgebildeten Nachwuchs auf den Arbeitsmarkt und ins Leben.

(Spiegel online)

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Benjamin Fathi

Gründer, Redakteur und Autor
Gründer, Redakteur und Autor bei Gesundheit & Management. Gesundheitsmanager und Sportwissenschaftler.