Chancen & Risiken des BGM

Wo das BGM in Deutschland steht, ist eine aktuelle Frage, die scheinbar nicht ganz klar beantwortet werden kann.

Quelle: VisionGesund Gesellschaft für betriebliches Gesundheitsmanagement mbH

Quelle: VisionGesund Gesellschaft für betriebliches Gesundheitsmanagement mbH

Hierzu gab es vor einem Jahr eine Veranstaltung mit dem Titel BGM 2.0 – Quo Vadis. Ein Blick in den Veranstaltungskalender für 2015 zeigt, die Weiterentwicklung des BGM ist nicht aufzuhalten: BGM 3.0 kündigt sich an. Die Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft läuft – schon längst ist die Industrie 4.0 ausgerufen. Der Unterschied? Die Industrie hat eine fast 200 jährige Geschichte und ist sich der eigenen Weiterentwicklung sehr bewusst.

Das betriebliche Gesundheitsmanagement in Deutschland hat eine Geschichte von gut 10 Jahren und im Juli 2012 wurde die DIN SPEC 90120 Betriebliches Gesundheitsmanagement im Beuth Verlag publiziert. Ein erster Schritt, um einen Standard in dieser jungen Branche zu entwickeln.

Auf der diesjährigen Messe Zukunft Personal 2014 in Köln wurde einmal mehr deutlich, dass sich eine sehr heterogene Gruppe an Dienstleistern versucht im BGM zu platzieren. Von insgesamt vier Messehallen der Zukunft Personal 2014 benötigte diese Gruppe gerade einmal 1/3 der Ausstellerfläche in einer einzigen Halle. Hier fanden sich:

  • Tochterunternehmen von Krankenkassen
  • Fitnessstudio-Gemeinschaften
  • Anbieter für Telefon-Coaching, für ein BGM-Online-Portal, sowie für gesundes Schlafen
  • ein Hersteller von Trainingsgeräten
  • ein halbes Dutzend 1-Mann- und Klein-Unternehmen mit div. Leistungen

Diese Heterogenität verdeutlicht, welches Risiko die Branche hat: BGM ist kein geschützter Begriff.

Mehr und mehr Dienstleister bewerben ihre Leistungen ganz offensiv unter dem Leitbegriff BGM. Oder als Maßnahmen im BGM. Und dabei wird (absichtlich oder unabsichtlich) ignoriert, was unter BGM per Definition zu verstehen ist. Große Unternehmen und Konzerne werden die Qualität der unterschiedlichen Ansätze erkennen, aber was ist mit den 2/3 der Unternehmen bis 199 Mitarbeiter, die sich bisher nicht um ein nachhaltiges BGM bemühten, weil es Ihnen an Wissen bezüglich der Umsetzungsmöglichkeiten fehlt (iga-Report 20)? Hier hinterlassen kreative, neue Anbieter verbrannte Erde, weil sie kleinteilige, einzelne Maßnahmen (evtl. noch BGF-bezogen) als ganzhaltiges BGM verkaufen.

Aus diesem Risiko ergibt sich aber auch eine Chance: Durch die wachsende Professionalisierung von Branchen-Neueinsteigern werden alte Ansätze aufgebrochen und frische Ideen angeboten. Synergieeffekte für Unternehmen entstehen dort, wo Spezialisten relevante Dienstleistungen bündeln und ein einheitliches, erprobtes Angebot schaffen. Gemeint ist dabei kein weiteres regionales oder überregionales Netzwerk für BGF-Anbieter, sondern eine Kooperation, die eben die Management- und Analyseaufgaben, z.B. im Sinne der Analyse psychischer Gefährdungen, nach Kompetenzen aufteilen kann.

Zusätzlich zu den Chancen der Branche ergibt sich für jeden Unternehmer aufgrund der wachsenden Professionalisierung im BGM die Chance, sich besser auf die zukünftigen Arbeitsbedingungen einzustellen. Veränderungsprozesse in der Unternehmenskultur, den Arbeitsaufgaben oder der Arbeitsbelastung und der Arbeitgeber-Attraktivität werden sich beobachten lassen. Erst durch ein BGM erhält der Unternehmer ein integratives Werkzeug, um die Unternehmensziele und zukünftigen Herausforderungen unter Berücksichtigung der wichtigsten Ressource – der Gesundheit der Mitarbeiter – anzugehen.

Der Gesundheitsschutz in deutschen Unternehmen hat sich vom reinen Arbeitsschutz, hin zu Betriebssport und Gesundheitsförderung bis zum Management von Gesundheit weiterentwickelt. Ob das BGM als eigene Disziplin schon den dritten Zyklus (BGM 3.0) begonnen hat, sollte hinterfragt werden.

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Michael Bode

Gastautor
Michael Bode ist Gesellschaftender Geschäftsführer bei der VisionGesund Gesellschaft für betriebliches Gesundheitsmanagement mbH, ein junges Kölner Unternehmen mit den zwei Dienstleistungsbereichen BGM und BGF. Neben seiner dortigen Tätigkeit unterstützt Michael Bode den Expertenaustausch „BGM in KMU“ der Gesundheitsregion Köln/Bonn e.V., ist Mitglied der Expertenrunde „Standort- und Zukunftsstudie für den Rhein-Erft-Kreis“ und engagiert sich bei den Wirtschaftsjunioren Köln.

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