Die Angst des Geschäftsführers vor Erwartungen der Mitarbeiter

Woher kommt das Phänomen, dass sich so mancher Geschäftsführer vor den Erwartungen der Mitarbeiter fürchtet? Hier ein Ausblick, warum Erwartungen eher Chance als Leid sind.

Quelle: Pixabay

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Jeder Mensch hat bestimmte Erwartungen an sich selbst an seine Umwelt und seine Mitmenschen – diese Erwartungen entsprechen einer subjektiven und antizipierten Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines zukünftigen Ereignisses. Ein Beispiel: Wenn einer Person eine Frage gestellt wird, dann erwartet diese Person, dass die Antwort in irgendeiner Form für den Fragenden von Relevanz ist und eine Reaktion beim Fragenden auslösen wird. Diese Erwartung des Befragten wird dabei von einem ganzen Korb an unterschiedlichen Einflüssen, Rahmenbedingungen und bisherigen Erfahrungen der Vergangenheit bestimmt. Die subjektiven Erwartungen an die Reaktion sind dementsprechend häufig unterschiedlich.

So weit verständlich. Aber wie kommt es nun, dass gerade von Geschäftsführerseite regelmäßig die negativ konnotierte Äußerung kommt, dass speziell eine Mitarbeiterbefragung ja Erwartungen auslöse?

Negative Wirkung von Erwartungen
Ist der Rahmen nicht geklärt, kein Ziel definiert und werden auch die Mitarbeiter nicht transparent informiert, entsteht Raum für Spekulationen. Um das Beispiel der Mitarbeiterbefragung aufzugreifen: Ist der Zweck der Befragung und der Umgang mit den Ergebnissen unklar, werden die Mitarbeiter nicht in Kenntnis gesetzt, weshalb sie nach ihrer Meinung gefragt werden, bilden sich stark unterschiedliche Erwartungen bei allen Beteiligten. Denn eines ist klar: Besonders wenn die Kommunikation im Unternehmen schon am Boden liegt, der Flurfunk funktioniert immer.

In diesen Fällen ist die Angst vor Erwartungen der Mitarbeiter in den Führungsetagen verständlich. Die Angst vor den Ergebnissen, wenn keine Vorstellungen davon existieren, was die Umfrage an Rückmeldungen hervorbringen wird und die Angst, dass man der aufgedeckten Baustellen nicht mehr Herr wird, wenn kein Rahmen und keine Strategie existiert, wie man mit Ergebnissen und Problemen umgeht.

Und Angst ist auch dort verständlich, wo in der Vergangenheit schon schlechte Erfahrungen – ggf. durch ähnliche Befragungen – im Betrieb / Unternehmen für Unruhe gesorgt haben. Ein klassisches Beispiel für ein Verhalten, welches Enttäuschungen hervorruft: Negative Ergebnisse werden nicht kommuniziert und unter den Teppich gekehrt.

Der Geschäftsführer und die antizipierte Kostenfalle
„Und am Ende müssen die Erwartungen erfüllt werden…und was das dann alles kostet!“ Die Angst vor den Erwartungen der Mitarbeiter kann auch in einer erwarteten Kostenexplosion begründet liegen. Das Gespenst geht um, dass teure Maßnahmen eingekauft werden müssen, um die Mitarbeiter zu befriedigen. Diese Annahme ist unbegründet: Auch dies ist letztlich eine Frage der Kommunikation. Ist es wirklich notwendig eine eigene Kita zu bauen oder hilft es vielleicht, ein Eltern-Kind-Büro für Notfälle einzurichten? Müssen es zusätzliche Urlaubstage sein oder kann vielleicht auch einfach die Urlaubstagregelung entbürokratisiert werden? Und muss es ein teurer Business-Team-Coach sein oder reicht es festzulegen, dass mindestens einmal pro Monat nicht nur über Team-Projekte sondern vor allem über das Miteinander im Team gesprochen wird? Es gibt für viele Probleme oft interne Lösungen und häufig können kleine Stellschrauben eine große Veränderung bewirken: So wie bei dem einen Fall, als man sich bei einem Unternehmen entschied, bestimmte Monitore auf kleine Podeste zu stellen, um Haltungsschäden und Nackenschmerzen vorzubeugen. Einfach, naheliegend, günstig und extrem sinnvoll.

Positive Wirkung von Erwartungen
Sobald ein Vertrag mit einem Lieferanten geschlossen, ein Termin mit einem Geschäftspartner vereinbart oder eine Absprache getroffen wird, erwarten wir dass diese Vereinbarungen eingehalten werden. Und zwar überwiegend ohne negative Gefühle zu entwickeln. Häufig entsteht sogar das positive Gefühl, etwas erledigt oder etwas geschafft zu haben. Warum haben in den geschilderten Fällen die Erwartungen so positive Auswirkungen?
Den Unterschied macht der Rahmen. Für diese Situationen sind Erwartungen über eindeutige Ziel- und Absichtserklärungen klar definiert, so dass die subjektive Antizipation in gelenkten Bahnen verläuft. Wir wissen förmlich, was uns erwartet – das gibt Stabilität und Sicherheit und eher selten werden unsere Erwartungen dann enttäuscht.

Ein positives Arbeitsumfeld durch bekannte Erwartungen
Gerade bei Mitarbeiterbefragungen bietet sich die große Chance für Geschäftsführer und Unternehmer die Erwartungen der Mitarbeiter kennen zu lernen, ernst zu nehmen und sich zu bemühen, diese zu erfüllen. Denn wenn die erste Reaktion bei dem Gedanken an eine Mitarbeiterbefragung ist „Da werden ja Erwartungen geweckt“, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein gewisses Maß an Unzufriedenheit in der Belegschaft schon längst existiert – getreu dem Motto: Man will ja keine schlafenden Hunde wecken.

Wenn jederzeit aktiv und transparent mit der Mitarbeitervertretung (bzw. Betriebs- oder Personalrat) kommuniziert und diese auch in wichtige Entscheidungsprozesse von Anfang an einbezogen wird, können die Erwartungen der Mitarbeiter, durch die Geschäftsführung ein Stück weit mit gesteuert werden. Liegen die Ergebnisse vor, ist dies den Mitarbeitern nicht nur mitzuteilen, sondern auch der Hinweis zu geben, wie nun mit den Ergebnissen verfahren wird. Werden mehr Probleme aufgedeckt als scheinbar erfüllt werden können, wird gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung priorisiert und über jeden Schritt zur Lösung der Probleme transparent kommuniziert.

Sobald Maßnahmen verabschiedet sind, ist es wichtig, die Mitarbeiter darüber zu informieren, was angepasst, verändert oder optimiert wird. Darauf vertrauen, dass der Mitarbeiter schon von alleine mitbekommt, was sich jetzt positiv verändert, wird nicht genügend. Der ganze Zyklus einer Mitarbeiterbefragung muss also sein sprich darüber, höre zu und erst dann tue Gutes – und sprich drüber!

Langfristig sind die Unternehmen am erfolgreichsten, die ihren Mitarbeitern ein zufriedenstellendes, gesundes und manchmal auch sinnstiftendes Arbeitsumfeld bieten – das Gehalt ist schon lange nicht mehr oberste Priorität.

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Michael Bode

Gastautor
Michael Bode ist Gesellschaftender Geschäftsführer bei der VisionGesund Gesellschaft für betriebliches Gesundheitsmanagement mbH, ein junges Kölner Unternehmen mit den zwei Dienstleistungsbereichen BGM und BGF. Neben seiner dortigen Tätigkeit unterstützt Michael Bode den Expertenaustausch „BGM in KMU“ der Gesundheitsregion Köln/Bonn e.V., ist Mitglied der Expertenrunde „Standort- und Zukunftsstudie für den Rhein-Erft-Kreis“ und engagiert sich bei den Wirtschaftsjunioren Köln.