Die Gesundheitskultur

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Den Wandel gestalten.

Quelle: Pixabay

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Zweifelsohne ist das Ziel eines betrieblichen Gesundheitsmanagements eine Gesundheitskultur. Doch was zeichnet eine solche Kultur aus und wie kann sie aktiv gefördert werden?

Es fällt auf, dass viele Unternehmen sich mit dem Thema Gesundheit und diese gezielt zu fördern beschäftigen. Nahezu alle DAX-Unternehmen geben an, ein BGM eingeführt zu haben. Tatsächlich kann jedoch nur der geringste Teil von einem ganzheitlichen BGM sprechen. Vielmehr werden Einzelmaßnahmen herausgegriffen und als BGM definiert. Diese Unternehmen sind somit von einer Gesundheitskultur weit entfernt. Eine Gesundheitskultur bedeutet, die Gesundheit der Beschäftigten und die Gesundheit des Unternehmens untrennbar miteinander zu verbinden. Gesundheit findet sowohl in Prozessen als auch in Strukturen Berücksichtigung. Prof. Norbert Thom spricht von den vier Ebenen einer Gesundheitskultur.

Die erste Ebene beachtet die Grundwerte und Überzeugungen eines Unternehmens. Hier müssen gesundheitliche Aspekte im Einklang mit ökonomischen Entscheidungen gebracht werden. Im Zweifel gilt es, zum Gunsten der Gesundheit der Beschäftigten und sich gegen einen vordergründigen wirtschaftlichen Vorteil zu entscheiden.

Die zweite Ebene betrachtet die Führungs- und Eigenverantwortung. Es ist annähernd zu einem Mantra geworden, Führungskräfte mit der Gesundheit der Beschäftigten in einem Atemzug zu nennen. Das ist vor allem auf eine Studie des VW-Konzerns zurückzuführen. In dieser wurden im Rahmen einer Versetzungsaktion von Vorgesetzten, die Auswirkungen auf Fehlzeiten untersucht. Hierbei stellte man fest, wurden Vorgesetzte aus einem Bereich mit hohen Fehlzeiten in einen Bereich mit niedrigen Fehlzeiten versetzt, stiegen die Fehlzeiten im neuen Bereich  schnell auf das Niveau des alten Bereichs an. Mehrere Studien bestätigen mittlerweile dieses Ergebnis.
Der Zusammenhang ist naheliegend. Wie wir bereits in unserem Artikel Führungskräfte schaffen Arbeitsbedingungen erklären, sind Führungskräfte wesentlich für gesundheitsrelevante Stellschrauben verantwortlich. Sowohl der Führungsstil als auch die gesetzten Anforderungen beeinflussen direkt das Wohlbefinden der beschäftigten.
Aber auch der Einfluss von Vorgesetzten ist begrenzt und endet spätestens dort, wo die Eigenverantwortung der Beschäftigten anfängt.
Zudem stehen auch Führungskräfte unter enormen Druck und dürfen ihre eigene Gesundheit nicht vernachlässigen. Somit ist hier Eigenverantwortung gefragt.

Die dritte Ebene berücksichtigt die Arbeits- und Beziehungsorganisation. Der positive Einfluss einer sinnstiftenden Arbeit auf das Wohlbefinden der Beschäftigten belegen viele Forschungsergebnisse. Die Passung von Aufgaben, Kompetenzen und der Verantwortung sind eine Grundvoraussetzung. Beschäftigte müssen sich direkt einbringen können, sodass die Bedürfnisse des Einzelnen berücksichtigt werden. Aber auch die Rahmenbedingungen sollten ausreichend flexibel sein, um den vielbeschriebenen Spagat von Beruf- und Privatleben zu ermöglichen.
Bestehen stabile und unterstützende Sozialstrukturen, ist ein gesundheitsförderndes Umfeld gegeben (vgl. Thom). Faire Verhaltensregeln im Umgang mit Konflikten und Kritik bzw. Feedback können dazu beisteuern, Organisationen gesundheitsfördern zu gestalten und somit einen Beitrag zu einer Gesundheitskultur zu leisten.

Die vierte Ebene sind die betrieblichen Ressourcen. Der Begriff Ressourcen ist hierbei mehrdimensional belegt. So ist hier die zeitliche Dimension ebenso zu berücksichtigen wie die finanzielle. Haben Gesundheitsakteure die notwendige zeitliche Ressource sich miteinander abzustimmen und gemeinsame Projekte umzusetzen? Sind Arbeitsplätze bereits ausreichend ergonomische ausgestattet und steht hierfür das notwendige Budget zur Verfügung? Dies können Fragen der betrieblichen Ressourcen sein.

Erst wenn ein BGM alle vier Ebenen berücksichtigt und diese Werte auch lebt, kann von einer Gesundheitskultur gesprochen werden. Das Verständnis von Gesundheit als Wert der Unternehmenskultur und den direkten Zusammenhang von Gesundheit, Produktivität und Erfolg zu vermitteln, ist die Aufgabe eines ganzheitlichen BGM.

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Benjamin Fathi

Gründer, Redakteur und Autor
Gründer, Redakteur und Autor bei Gesundheit & Management. Gesundheitsmanager und Sportwissenschaftler.