Gesundheit – Ein gesamtgesellschaftliches Gut

Das Wort Gesundheit wirft bei genauerer Betrachtung mehr Fragen als Antworten auf. Wie dieser Begriff zu definieren ist, hängt von der Blickrichtung ab. Zwei Beispiele: Eine beliebte Definition von Gesundheit wird durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vertreten: „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“
Die Gesundheitsökonomie hingegen reduziert Gesundheit stark auf Preis- und Marktmechanismen. Deren Folge ist in der Reduktion von einem Gesundheitsanspruch auf das Nötigste zu erkennen. Dies lässt sich in dem folgenden Grundsatz gut veranschaulichen: „[Gesundheitsleistungen müssen] ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen“ (SGB V §12 (1)). Die Überinterpretation dieses Paragraphen führt in der Konsequenz in eine Privatisierung  von einem fundamentalen und volkswirtschaftlich höchstem Gut. Zur Verdeutlichung kann der Blick auf die Krankenhäuser gelenkt werden. Volkswirtschaftlich gesehen, ist die Aufgabe eines Krankenhauses sicherlich in einer möglichst schnellen Genesung des Erkrankten zu verstehen. Jedoch ist dieses Ziel in einem Krankenhaus, das als Renditeobjekt betrachten wird, leider nur zweitrangig. So stehen hier Kennzahlen, wie die Häufigkeit von durchgeführten Operationen im Vordergrund. Hierüber lässt sich leicht, die Zunahme von unnötige Operationen erklären. Rückenoperationen werden hierzulande drei mal so häufig durchgeführt wie in England und doppelt so häufig wie in Frankreich (vgl. wdr). Mittlerweile werden Chirurgen über Kennzahlen und Boni geführt und der Patient fällt letztlich hinten herunter.  Das bedeutet nicht, dass es in Deutschland keine optimale Betreuung gibt. Diese hat vielmehr ihren Preis und ist nicht „[…] ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich […]“ (SGB V §12 (1)). D.h. möchte ein Patient eine optimale Betreuung, dann bedarf es dem nötigen Kleingeld. Wobei bei Beträgen, die schnell in einen fünfstelligen Eurobetrag ragen, sicherlich nicht mehr von Kleingeld gesprochen werden kann.
Der ökonomische Ansatz ist somit entweder unzureichend oder wird falsch interpretiert. Einigkeit besteht hingegen darin, dass verstärkt präventives Verhalten unterstützt werden muss.
Davon ausgehend, dass Gesundheit ein gesamtgesellschaftliches Gut darstellt, liegt die Gesundheit in der Verantwortung aller. Dieser Aussage entsprechen auch zunehmend Unternehmen und bieten mehr oder weniger ausgeklügelte Konzepte des betrieblichen Gesundheitsmanagements an. Im Wesentlichen lassen sich hierfür drei direkt erkennbare Gründe beschreiben: 1. Der demografische Wandel zwingt Unternehmen, vorrangig produzierende Betriebe, die Belegschaft fit zu halten. Aufgrund einer überalternden Gesellschaft und zuwenig Nachkommen, gilt es die etwas nicht mehr ganz so jungen Mitarbeitern möglichst bis zur Rente im Unternehmen zu halten. Das führt direkt zu 2. Der Druck des zunächst herbeigeredeten Fachkräftemangels, ist in der Wirklichkeit angekommen. Schon ab 2014 wird der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft spürbar erreichen. 3. ist eine Konsequenz aus 1. und 2. Unternehmen möchten weiterhin für Arbeitnehmer attraktiv sein, um so möglichst die Besten Mitarbeiter auf dem Markt für sich gewinnen zu können. Betriebe, die sich um das Wohlbefinden der Mitarbeiter bemühen, sind letztlich auch attraktive Arbeitgeber. Insbesondere in einer Zeit, in der mehr Flexibilität erwartet und weniger Sicherheit geboten wird, benötigen Arbeitnehmer Unterstützung mit dieser zunehmenden Belastung umzugehen. Gesundheitsmaßnahmen nach dem Gießkannenprinzip anzubieten greift hier sicherlich zu kurz. Sollen solche Konzepte maßgeschneidert angeboten werden, bedarf es Spezialisten, die sich derer annehmen.

Somit ist unser Fazit: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein spannender Ansatz mit Zukunft!

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Benjamin Fathi

Gründer, Redakteur und Autor
Gründer, Redakteur und Autor bei Gesundheit & Management. Gesundheitsmanager und Sportwissenschaftler.