Geschäftsführer Philippe Bopp von machtfit.

Individualität wird die Zukunft prägen

Gesundheit&Management im Gespräch mit Philippe Bopp, Geschäftsführer der machtfit GmbH.

G&M: Wie wird Arbeiten 4.0 in Zukunft aussehen?

Vor allem wird es flexiblere Arbeitszeitmodelle geben.

Die Möglichkeiten zum Wissensaustausch und –verbreitung, die einige Unternehmen bereits heute nutzen, werden sich in den nächsten Jahren in allen Branchen als Standard etablieren. Gleichzeitig wächst eine neue Generation Führungskräfte heran, die Wert darauf legt, im Beruf erfolgreich zu sein, gleichzeitig aber ihr Privatleben auch wirklich zu leben und zu erleben.

Diese zunehmende Individualität wird zukünftig den Berufsalltag prägen, d.h. mit den Möglichkeiten der Digitalisierung wird es auch flexiblere Arbeitsmodelle geben, möglicherweise solche, die wir uns heute noch nicht oder nur schwer vorstellen können.

G&M: Bitte stellen Sie eine Prognose für das BGM 4.0. Und: Welche Anforderungen entstehen dadurch an das BGM 4.0?

Durch die zunehmende Flexibilität und Individualisierung wird das BGM noch viel stärker auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen eingehen müssen. Unternehmen werden nicht mehr sagen können, „wir haben Rücken“, sondern die Mitarbeiter erwarten, dass ein Umfeld und Strukturen geschaffen werden, die ihre individuellen Beschwerden und Sorgen berücksichtigen.

Digitale Lösungen werden aufgrund der Reichweite, der Möglichkeit zur direkten Kommunikation und nicht zuletzt aufgrund der Kosten-Nutzen-Vorteile noch stärker in den Fokus rücken.

G&M: Welche Chancen zeigen sich durch den Einsatz von digitalen Instrumenten?

Durch digitale Instrumente kann die Effizienz und Effektivität des Gesundheitsmanagements in hohem Grad gesteigert, d.h. Prozesse verschlankt und Ergebnisse verbessert werden:

Die Organisation des gesamten BGM-Zyklus wird vereinfacht, durch spielerische Elemente können Mitarbeiter zeitgemäß motiviert werden und die Erreichbarkeit von Mitarbeitern, die z.B. in dezentralen Strukturen organisiert sind, wird durch digitale Instrumente um ein Vielfaches einfacher.

G&M: Welchen Stellenwert werden online-Tools in Zukunft spielen?

Der Stellenwert wird aus den oben genannten Gründen definitiv steigen, insb. aus Gründen der Effizienz.

Bei machtfit sind wir uns jedoch sicher und merken das auch täglich, dass die offline-Welt nicht komplett ersetzt werden wird. Der persönliche Kontakt mit einem Coach oder die Face to Face Interaktion, z.B. in einem Führungskräftetraining ist gewünscht und wird benötigt.

G&M: Welche Herausforderungen zeigen sich bei der Einführung von digitalen Instrumenten für die Betriebliche Gesundheitsförderung?

Generell kann man sagen, dass bei der Einführung digitaler Instrumente nicht mehr oder weniger Herausforderungen entstehen als beim klassischen BGM.

Oftmals besteht die Sorge, dass z.B. die Mitarbeiter aus der Produktion aufgrund des fehlenden Bildschirmarbeitsplatzes ausgeschlossen sind und digitale Anwendungen nicht nutzen können.

Was viele nicht wissen ist, dass über 90% der Arbeitnehmer online sind (Quelle ARD/ZDF-Onlinestudie), d.h. dass wenn die Lösung auch von zuhause oder vom Smartphone aus abrufbar ist, man nahezu alle Mitarbeiter erreichen kann.

Hinsichtlich der Bedienbarkeit gibt es tatsächlich einige Lösungen, die der Realität nicht gerecht werden. Die Lösung darf nicht nur die sogenannten „digital natives“ ansprechen, sondern muss so gestaltet sein, dass alle Altersgruppen damit zurechtkommen.

Dass die Daten geschützt und vertraulich behandelt werden, ist bei digitalen wie nicht-digitalen Lösungen selbstverständlich. Hier dürfen keine Kompromisse eingegangen werden.

G&M: Thema Datenschutz: Wie gewinnt machtfit das Vertrauen des Mitarbeiters diesbezüglich? Welche Maßnahmen treffen Sie?

Wir gehen offensiv mit dem Thema um, arbeiten eng mit den Datenschutzbeauftragten und dem Betriebsrat zusammen und nehmen den Skeptikern schnell den Wind aus den Segeln.

Die Nutzung unserer Lösungen verlangt keine sensiblen Mitarbeiterdaten und wir speichern prinzipiell sowieso nur die Daten, die unbedingt erforderlich sind.

Unser technischer Betrieb befindet sich ausschließlich in Deutschland.

G&M: Mit welcher Strategie schafft es machtfit, eine hohe Mitarbeiterbeteiligung an Maßnahmen zu erreichen?

Wir drehen an unterschiedlichen Schrauben, um den unterschiedlichen Mitarbeitergruppen gerecht zu werden.

Wir sorgen mit einem vielfältigen Präventionsangebot in Wohnort- und Arbeitsplatznähe dafür, dass jeder Mitarbeiter das passende Angebot für sich findet. Zeitlich und räumlich flexibel, d.h. ich muss nicht meine allererste Yogastunde mit den Kollegen machen, sondern kann dies im Studio bei mir um die Ecke tun. Da fühle ich mich wohl und kann mal was ausprobieren.

Eine wichtige Rolle spielt auch das Geld. Die (Teil)Finanzierung des Arbeitgebers der Maßnahmen spielt für über 80% unserer Nutzer eine entscheidende Rolle, um ein Angebot zu buchen und aktiv zu werden.

Über unser Fitmacher-Magazin und einen regelmäßigen Newsletter vermitteln wir relevantes Wissen und setzten durch Aktionen, wie z.B. Gewinnspiele, Rabatte etc. positive Anreize für die unentschlossenen Mitarbeiter/innen, aktiv zu werden.

G&M: Wie erfolgt bei Ihnen die Qualitätssicherung des Kursangebotes in Bezug auf §20 SGB V?

Jeder Kursanbieter muss ein gültiges Zertifikat der Zentralen Prüfstelle Prävention für seinen Kurs hochladen. Das Zertifikat wird von uns vor der Veröffentlichung auf Gültigkeit überprüft.

G&M: Welche Veränderungen ergeben sich aus dem neuen Präventionsgesetz 2016 für Ihr Unternehmen?

Wir merken bereits heute, wie das Thema BGM Fahrt aufnimmt. Durch die Präsenz des Gesetzesvorhabens in den Medien und dem Engagement der Krankenkassen wurde ein neues Bewusstsein bei vielen Entscheidern in den Unternehmen geschaffen, was sich positiv auf unser Neukundengeschäft auswirkt.

Konkret bedeutet das für uns, dass wir seit einigen Wochen verstärkt mit Krankenkassen zusammenarbeiten und partnerschaftlich bedarfsgerechte Projekte in den Unternehmen initiieren. Die Krankenkassen nehmen dabei eine Doppelrolle ein: Sie sind inhaltlicher Ansprechpartner und beteiligen sich an der Finanzierung, auch für die von uns aufgerufenen Kosten.

G&M: Vielen Dank für das Interview!

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Benjamin Fathi

Gründer, Redakteur und Autor
Gründer, Redakteur und Autor bei Gesundheit & Management. Gesundheitsmanager und Sportwissenschaftler.

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