Ist mein Arbeitsplatz in Gefahr, wenn ich Drogen nehme?

Gefährdet privater Drogenkonsum den Arbeitsplatz?

Ob mit Alkohol, Kokain oder Pillen: Den Arbeitgeber geht es nichts an, wenn sich ein Angestellter in seiner Freizeit berauscht. Er muss ihm den Drogenkonsum auch erst einmal nachweisen. Oder?

Wer sich außerhalb der Arbeitszeit in einen Rausch versetzt, muss nicht gleich um sein Arbeitsverhältnis bangen. Denn die Privatsphäre hat Vorrang, zumindest wenn die Nachwirkungen eines ungezügelten Konsums am nächsten Tag verschwunden sind. Erst wenn die Folgen eines Alkohol- oder Drogenkonsums konkrete Nachlässigkeiten oder schlechte Arbeit im Büro nach sich ziehen, darf der Arbeitgeber zum Mittel der Abmahnung oder Kündigung greifen. Gefährlich wird es insbesondere dann, wenn der regelmäßige Konsum von Genussmitteln in eine Sucht umschlägt.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat jetzt klargestellt, dass in einem solchen Fall bereits die abstrakte Gefährdung von Kollegen oder der eigenen Person ausreichen kann, um eine Kündigung des Arbeits-verhältnisses zu rechtfertigen.

In einem Streitfall war ein Arbeitnehmer auf einem Schrottplatz beschäftigt. Zu seinen Aufgaben gehörte die Entsorgung von Metallteilen mit einem Lkw. Bei freiwilligen Alkoholkontrollen im Betrieb wurden innerhalb eines Jahres bereits mehrfach erhöhte Blutwerte bei dem Betroffenen festgestellt. Eine Alkoholtherapie lehnte er jedoch ab, da er das Problem „im Griff“ habe, wie er versicherte. Daraufhin kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis aus personenbedingten Gründen. Zu Recht, befand das BAG (2 AZR 565/12).

Gefahr für sich und Andere

Zwar kann ein Beschäftigter nicht zur Teilnahme an einem Alkoholtest gezwungen werden; im diskutierten Fall hatte der Mitarbeiter jedoch zugestimmt. Damit konnten die Ergebnisse zur Begründung seiner dauerhaften Alkoholabhängigkeit herangezogen werden. Steht also diese Abhängigkeit fest, kommt es nicht darauf an, ob dem Arbeitgeber dadurch ein konkreter Schaden entstanden ist oder erhebliche krankheitsbedingte Fehlzeiten vorliegen.

Es genügt vielmehr, wenn der Betroffene infolgedessen eine erhebliche Gefährdung für sich und andere Kollegen im Betrieb darstellt. Bereits in einem solchen Fall kann der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung verlorengehen.

Davon war im Streitfall auszugehen, denn dem Mitarbeiter war es in seinem Zustand nicht möglich, dauerhaft ohne erhebliche Gefahren für Menschen und Material zu arbeiten. Der Kläger hätte sich nur dadurch entlasten können, dass er auf Aufforderung des Arbeitgebers einer Therapie zustimmt. Diese Therapiebereitschaft muss allerdings vor Ausspruch der Kündigung erklärt werden. Die nachträgliche Reue hilft gegen eine Kündigung nicht. Damit wird es für Betroffene schwieriger, Kündigungen bei einer nachgewiesenen Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen vor dem Arbeitsgericht erfolgreich anzugreifen.

(FAZ)

The following two tabs change content below.

Vera Fathi

Autorin bei Gesundheit & Management. Expertin für Gesundheitsförderung und Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Neueste Artikel von Vera Fathi (alle ansehen)