Kennzahlen im Gesundheitsmanagement – sinnvoll oder sinnleer?

BGM-Controlling mit harten und weichen Kennzahlen.

Quelle: Pixabay

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Lehrbücher, Expertenmeinungen und beeindruckende Best-Practice-Beispiele machen es vor. Wie werden Kennzahlen im großen Stil in guter Controlling-Tradition gesammelt, um jederzeit über den Gesundheitszustand der Mitarbeiter Bescheid zu wissen. In jeder Quelle findet sich der Hinweis, dass doch bitte nicht nur die Harten Kennzahlen, die sogenannten Spätindikatoren, wie z.B. Routinedaten der Sozialversicherungsträger, analysiert werden sollen, sondern auch eine ganze Reihe Weicher Kennzahlen wichtig seien. Warum ist dies die Theorie und die Praxis eine ganz andere?

Sinnleere Datenfriedhöfe

Warum trifft der Alltag selten auf Unternehmen, die tatsächlich beide Arten (weiche und harte) von Kennzahlen nutzen? Warum kommt auf die Frage, ob der Erfolg der Maßnahmen evaluiert wird, in drei von vier Fällen die Antwort, dass man sich nur die Fehlzeitenquote und eventuell noch die Teilnahmequote anschaue? Warum werden hier also übergeordnete Kennzahlen betrachtet, die sich an Strukturen orientieren (z.B. Vollständig umgesetzter Arbeitsschutz) oder maßnahmenbezogene Kennzahlen, die sich an Ergebnissen orientieren (z.B. Teilnahmequote), aber handlungsfeldbezogene, prozessorientierte Kennzahlen weitestgehend gemieden (z.B. Führungsqualität)? Die Gefahr ist groß, dass hier sinnleere Datenfriedhöfe geschaffen und Listen gepflegt werden, die nur ihrem Selbstzweck dienen – nämlich zu existieren. Es kann damit zu tun haben, dass in vielen mittelständischen Unternehmen immer noch die Wahrnehmung bestimmend ist, dass Mitarbeitergesundheit allein durch die physische Gesundheit bestimmt und dementsprechend über eine bestimmte Anzahl an Vorträgen und Kursangeboten beeinflusst wird. Eine leider recht irreführende Wahrnehmung.

Bedeutung sinnvoller Kennzahlen

Die Grundlage des BGM ist die periodische Erfassung gesundheitsbezogener Daten und ihre Dokumentation. Die Erfassung kann dabei quantitativ oder qualitativ erfolgen. Möchte man also ein echtes BGM in einem Unternehmen einsetzen, kommt man nicht umher, eine für das Unternehmen geeignete Messung von Veränderungen vorzunehmen. Veränderungen können über Mitarbeiterbefragungen, Arbeitssituationsanalysen, die wirtschaftlichen Routinedaten des eigenen Unternehmens oder den Beobachtungsdaten der Gefährdungsbeurteilung identifiziert werden.

Sinnvolle Kennzahlen finden in 5 Schritten

Die Grundsätze, um sinnvolle Kennzahlen zu finden, sind in allen Unternehmen gleich und orientieren sich am BGM-Prozess. Es kann in 5 einfachen Schritten vorgegangen werden:

  1. Es müssen messbare Ziele definiert werden
  2. Es müssen konkrete Projekte zur Zielerreichung geplant werden
  3. Es muss betrachtet werden, welche Stellgrößen sich direkt verändern werden und welche Zielgrößen nur indirekt beeinflussbar sind, um dann aus beiden Größen relevante, individuelle Kennzahlen abzuleiten
  4. Es muss entschieden werden, ob der Prozentsatz oder zur besseren Vergleichbarkeit ein Indexwert (Punkteskala) genutzt werden soll
  5. Es muss entschieden werden, welche Dokumentationsform angemessen und wer für die Messung, die Auswertung und die Dokumentation verantwortlich ist

Balanced Scorecard

Wer nicht auf den Aufwand verzichten möchte, kann auch eine Balanced Scorecard (BSC) für das eigene BGM anlegen. Die Relevanz eines so komplexen Controlling/Strategie-Tools hängt allerdings stark von der Größe des Unternehmens und der Menge eingesetzter Ressourcen ab. Für die Mehrzahl an KMUs wird die BSC im BGM wahrscheinlich mehr Arbeit als Aufschluss erbringen. Eine einfache Ziel-Mittel-Hierarchie in Verbindung mit den passenden Kennzahlen ist aber in jedem Fall zu empfehlen.

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Michael Bode

Gastautor
Michael Bode ist Gesellschaftender Geschäftsführer bei der VisionGesund Gesellschaft für betriebliches Gesundheitsmanagement mbH, ein junges Kölner Unternehmen mit den zwei Dienstleistungsbereichen BGM und BGF. Neben seiner dortigen Tätigkeit unterstützt Michael Bode den Expertenaustausch „BGM in KMU“ der Gesundheitsregion Köln/Bonn e.V., ist Mitglied der Expertenrunde „Standort- und Zukunftsstudie für den Rhein-Erft-Kreis“ und engagiert sich bei den Wirtschaftsjunioren Köln.