Moderne Arbeitswelt

Auswirkungen von Leistungsdruck und Social Freezing.

Quelle: Pixabay

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Der Wandel vom handwerklichen Arbeiten in eine Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft hinterlässt zunehmend Spuren. Die Forderung nach mehr Flexibilität wurde soeben durch Apple und Facebook auf eine neue Ebene gehoben. Beide Globalplayer bieten ihren Managerinnen das sogenannte Social Freezing an. Hierbei werden den Frauen  Eizellen entnommen und eingefroren. Zu einem späteren Zeitpunkt werden diese mittels modernen Verfahren befruchten und wieder eingesetzt. Hierdurch können Managerinnen weiterhin ihrem Karrierewunsch entsprechen und den Kinderwunsch ohne größere Risiken weiter nach hinten verschieben. Das zumindest wird suggeriert.

Doch spiegelt diese Wahlfreiheit auch den Wunsch von Paaren wider? Friedemann Bohlen, Facharzt für Arbeitsmedizin und Innere Medizin, beschreibt insbesondere die Doppelbelastung von Familie und Beruf, als einen der größten Stressoren. Der hierdurch entstehende Stress spiegelt sich in körperlichen Symptomen, wie Kopf- und Rückenbeschwerden und weiterführend in psychische Erkrankungen wie Depression wieder. Gerade bei den voran genannten Unternehmen, die scheinbar das Angebot von Social Freezing als besonders fortschrittlich empfinden, sind jedoch die Arbeitsbedingungen durchaus zu hinterfragen. So beklagen sich ehemalige Apple-Mitarbeiter in einem Bericht von Focus Money online, über regelmäßige Sonntags- und Nachtarbeit, die nicht Teil eines Schichtarbeitsmodells ist, sondern vorausgesetzte Flexibilität darstellt. Selbst im Urlaub wird erwartet, dass Mitarbeiter erreichbar sind und sich über bestehende Projekte auf dem Laufenden halten. Von familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen kann hier keinesfalls gesprochen werden. Jordan Price, ehemaliger App-Designer bei Apple, erklärt, dass er rund um die Uhr dem Konzern zur Verfügung stehen musste.

Tatsächlich muss sich eine moderne Gesellschaft fragen, wie weit eine Individualisierung noch gehen soll. Das Angebot von Social Freezing scheint Frauen mehr Wahlfreiheit zu geben. Sollte sich das Modell durchsetzen, wird jedoch das Gegenteil der Fall sein. Der Druck auf Frauen mit Kinderwunsch würde hierdurch weiter zunehmen. Das spiegelt nicht den Zeitgeist der Gesellschaft wieder. Fortschrittliche Unternehmen sollten sich vielmehr mit dem Thema Familienfreundlichkeit beschäftigen. Hierbei gilt es Fragen zu beantworten, wie Familie und Beruf parallel gelebt werden können. Immer mehr Unternehmen erklären sich bereit Führungspositionen mittels Jobsharing zu besetzen. Diese Konzepte sind durchaus ausgereift und verdienen das Label familienfreundlich und wirtschaftlich zu sein.

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Benjamin Fathi

Gründer, Redakteur und Autor
Gründer, Redakteur und Autor bei Gesundheit & Management. Gesundheitsmanager und Sportwissenschaftler.