Online gegen Rückenschmerzen bei Pflegekräften

Pflege geht auf den Rücken. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege kämpft jetzt online gegen den Rückenschmerz.

BERLIN. Muskuloskelettale Erkrankungen und speziell der Rückenschmerz sind im Pflegesektor eines der wesentlichen arbeitsmedizinischen Aufgabenfelder.

 „Muskuloskelettale Erkrankungen verursachen 25 Prozent der betrieblichen Ausfallzeiten“, betonte Hanka Jarisch von der BGW in Dresden. Mehr noch: Bei gezielten Erhebungen berichtet regelmäßig jede zweite Pflegekraft über Beschwerden der Lendenwirbelsäule.

Wie stark Pflegekräfte ihren Rücken im Alltag wirklich belasten, zeigt das von der BGW initiierte CUELA-Forschungsprojekt. Hier wurden Pflegekräfte in acht Krankenhäusern und drei Pflegeheimen mit einer Art flexibler Sensor-Rüstung ausgestattet.

Damit konnten die Wissenschaftler genau ermitteln, wie oft und wie lange beispielsweise in gebeugter Haltung gearbeitet wird. „Wir erheben dabei über 100 Millionen Messdaten pro Tag und Person“, sagte Sonja Freitag vom BGW-Fachbereich Gesundheitsschutz.

Axiale Fehlbelastungen beim Waschen oder Bettenmachen

Die Daten zeigen, dass in der Krankenpflege pro Tag fast anderthalb Stunden lang eine medizinisch kritische Beugehaltung des Oberkörpers eingenommen wird. In der Altenpflege sind es über zwei Stunden. „Patiententransfers sind dabei bei Weitem nicht die einzigen Belastungssituationen“, so Freitag.

Viel häufiger träten axiale Fehlbelastungen beispielsweise beim Waschen oder beim Bettenmachen auf.

Basierend auf den Ergebnissen des CEULA-Projekts hat die BGW ein Schulungskonzept entwickelt, das für typische Risikosituationen Lösungsansätze vermittelt.

Es fängt an beim simplen Höherstellen des Bettes und endet bei der Einführung von Pflegehockern, die bei pflegerischen Tätigkeiten im Badezimmer wertvolle Hilfe leisten.

Um eine größere Zahl von Arbeitgebern in Medizin und Pflege für die Prävention von Rückenschmerz zu sensibilisieren, hat die BGW außerdem im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) gemeinsam mit Bund und Ländern ein Online-Tool entwickelt, das über die Internetadresse www.gesund-pflegen-online.de zugänglich ist.

Das Tool richtet sich an ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen sowie an Krankenhäuser. Angesprochen werden soll nicht so sehr der einzelne Mitarbeiter, sondern der jeweilige Arbeitgeber.

Riskoanalyse wird erstellt

Der erste Schritt ist eine Online-Selbstbewertung, bei der eine lange Liste arbeitsschutzrelevanter Fragen zu beantworten sind. Basierend auf den Antworten wird eine Risikoanalyse erstellt und unmittelbar eine Auswertung generiert.

„Die Stärke des Online-Ansatzes besteht vor allem darin, dass die eigene Einrichtung mit anderen Einrichtungen anonymisiert verglichen werden kann“, so Jarisch. Derzeit enthalte die Datenbank Einträge von 2000 Pflegeheimen und 160 Krankenhäusern.

Nach der Risikoanalyse empfiehlt das Tool dem Arbeitgeber diverse Maßnahmen, mit denen der Arbeitsschutz in den identifizierten Problemfeldern verbessert werden kann.

„Letztlich erreicht die Einrichtung damit ein besseres Arbeitsschutzniveau und bessere Arbeitsbedingungen. Gesunde, leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter werden gehalten und die krankheitsbedingten Ausfallzeiten werden reduziert“, fasste die BGW-Expertin die Vorteile einer Teilnahme an dem Online-Projekt zusammen.

 

(aerztezeitung)

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Vera Fathi

Autorin bei Gesundheit & Management. Expertin für Gesundheitsförderung und Betriebliches Gesundheitsmanagement.

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