Umgang mit Präsentismus

Viele Unternehmen in Deutschland investieren in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Dieses betriebliche Gesundheitsmanagement zahlt sich unmittelbar für sie aus: Denn die vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) veröffentlichten Ergebnisse von zwei bundesweiten, repräsentativen Stichprobenbefragungen unter GKV-Mitgliedern liefern eindeutige Hinweise darauf, dass Unternehmen, die betriebliche Gesundheitsförderung betreiben,

  • weniger krankheitsbedingte Personalausfälle haben und
  • deutlich weniger vom Phänomen Präsentismus betroffen sind

als jene Unternehmen, die keine Präventionsmaßnahmen anbieten. Die WIdO-Experten legen es den Arbeitgebern vor diesem Hintergrund nahe, den Fokus beim betrieblichen Gesundheitsmanagement neu zu justieren: Dabei sollte es nicht primär oder gar ausschließlich darum gehen, die Anwesenheitsquote der Mitarbeitern um jeden Preis zu erhöhen und allein die Fehlzeiten im Auge zu behalten. Vielmehr gelte es, gemeinsam mit den Beschäftigten an betrieblichen Rahmenbedingungen zu arbeiten, um die – physische und insbesondere auch psychische – Gesundheit der Beschäftigten zu stärken und ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten.

Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) plädiert in ihrer Präsentismus-Expertise für ein erweitertes Verständnis des betrieblichen Gesundheitsmanagements, für eine „Kultur der Achtsamkeit für Gesundheit“ und insbesondere für das psychische Befinden der Mitarbeiter: Fehlzeitenstatistiken müssten künftig ergänzt werden durch Kennzahlen, die verlässliche Angaben zum Gesundheitszustand der Beschäftigten und zu seinen betrieblichen Bedingungen und Folgen liefern.

Der renommierte Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Professor Bernhard Badura, Mitautor des jährlichen Fehlzeiten-Reports des WIdO sowie des BAuA-Präsentismusreviews, bringt es auf den Punkt, wenn er eine Abkehr von der Kultur der Unachtsamkeit für Gesundheit fordert. Diese sei in vielen Unternehmen anzutreffen und beinhalte insbesondere die Auffassungen, dass

  • seelische Gesundheit ein Tabu ist,
  • wer zur Arbeit erscheint gesund und wer fehlt krank ist,
  • Gesundheit im Übrigen Privatsache ist und
  • das Topmanagement wenig oder gar nichts über die Gesundheit der Belegschaft wissen muss.

Quelle:
AOK 

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Jan Wunderlich

Autor bei Gesundheit & Management.

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